T3BLOG

20.02.2013
20:11

Reisebericht vom 20.02.13

6.Reisebericht aus Tansania

Sonntag, 17. Februar
Am Sonntag beim Abschied von Ernst-Georg und Uwe im Kipepeo kipepeobeach.com merkte ich, dass wir nicht einfach so 2 Wochen zusammen gearbeitet haben; sondern dass sich in dieser sehr kurzen Zeit zwischenmenschlich etwas sehr Wunderbares entwickelt hat. Es war unheimlich toll mit diesen Jungs zu arbeiten. Irmi und Siggi hielten uns stets den Rücken frei. Somit konnten wir bei den vielfältigen Aufgabenstellungen uns immer für einen germanischen oder tansanischen Lösungsansatz entscheiden. Die Frage dabei war immer, welche Materialien stehen uns zur Verfügung.
Überwältig hat mich bei den Mahlzeiten, was Tumaini auf den Tisch gezaubert hat. Es hat stets nach mehr geschmeckt. Ein besonderes Highlight war die schwäbisch-tansanische Küche an unserem ersten Freitag (8. Februar). Morgens waren wir gemeinsam auf dem nahegelegenen Masaimarkt gegangen und kauften Ziegenfleisch. Am Abend gab es den von Tumaini zubereiteten Ziegengulasch und Irmi wartete mit schwäbischen Spätzle auf. Wer könnte zu solch einer Speise NEIN sagen. Zwischendurch verwöhnte uns Irmi mit Spaghetti und Tomatensauce. Es kam auch vor, das Irmi abends fragte, ob jemand Lust auf Schokoladepudding hat. Keiner hörte sich NEIN sagen.
Siggi zeigte sich stets als Organisationstalent und Guide. Wenn wir uns fragten, ob die Teile rechtzeitig kommen,waren sie da; super Job!

Nochmals kurz zurück auf den Abschied von Ernst-Georg und Uwe. Nachdem wir uns gegen 11:30 Uhr von ihnen verabschiedeten, fuhren Irmi, Siggi, Erik und ich in Richtung Arusha ab. Dass wir Arusha am Sonntag nicht erreichen werden, war uns allen klar.
Der erste Stau begann als wir auf die Fähre wollten, um auf die andere Seite von Dar Es Salaam zu gelangen.Bei dem Stop and Go-Verkehr stellte Erik fest, dass der Motor im Leerlauf Aussetzer hatte und wir zuerst noch zu seiner Werkstatt müssen, die vor der langen Reise den Motor überprüfen soll. Erik bog von der Hauptstraße ab auf einen geschotterten Platz. Hinten rechts in der Ecke unter einem "Stoßstangen-Baum" standen mehrere teilweise zerlegte Fahrzeuge. Dies war Erik's Werkstatt "seines Vertrauens". Erik parkt sein Fahrzeug und ging auf den Werkstattchef zu und erklärte ihm, was sein Problem ist. Dieser kam sofort zum Auto, öffnete die Motorhaube, startete den Motor und gab ein paar Mal Gas. Dann ging er nach hinten schnupperte am Auspuff, anschliessend kam er zum Motor und zog nacheinander an den Motorzylindern 1 bis 3 die Zündkerzenstecker ab und steckte sie wieder auf. Nach sehr kurzen Zeit stand die tansanische Diagnose fest; es muss die Ursache am ersten Zylinder sein. Für diese Art der Diagnosestellung hätte man wahrscheinlich auch den Finger in den Wind halten können. Der Werkstattchef gab seinem Mitarbeiter den Auftrag, die Zündkerze von ersten Zylinder herauszuschrauben. Die Arbeit war schnell erledigt. Die Zündkerze hat einen zu großen Elektodenabstand (ca. 1,0 mm; normal ist ca. 0,4 mm). Nun wollte der Werkstattchef seine Mitarbeiter wegschicken, um eine neue Zündkerze zu kaufen. In diesem Moment schritt ich zur Tat und fragte den Werkstatt-Chef, war er tun möchte. Ich erklärte ihm, dass jetzt keine neue Zündkerze gekauft wird (germanische Lösung); sondern dass wir jetzt die tansanische Lösung realisieren, welche so aussieht, dass ich die Zündelektrode auf einen Aufstand von ca. 0,4 mm nachbog (tansanische Lösung). Nach einigen Minuten war der Gedanke in die Tat umgesetzt und der Motor lief scheinbar besser.
Anmerkung: Die Zünderzen hätten schätzungsweise bereits vor 40.000 km getauscht werden müssen.Alle Zündkerzen hätten am Sonntag nicht getauscht werden können, da zuerst der Sand am Motor mit einer Motorwäsche hätte entfernt werden müssen.
Irmi hatte Sonnenschutz unter diesem "Stoßstangenbaum" gefunden. Ich habe ihn so benannt, da in den Astgabelungen gebrauchte Fahrzeugstoßstangen gelagerte wurden.
Wir begaben uns jetzt schnell auf die tansanische Highways. Nach ca. 3 Stunden Fahrt legten wir eine kurze Pause, um eine Cola zu trinken und auf die Toilette zu gehen.

Erik mußte sein fahrerisches Können öfters unter Beweis stellen, indem er mit den Bumps und den Baustellen kämpfen mußte und auch manchmal mit den Checkpoints der Polizei. Als es dämmerte haben wir in Mombo (Nähe Lusotho) im Hotel MCO Unterschlupf gegen Vorkasse gefunden.
Für die ca. 350 km von Dar Es Salaam bis Mombo haben wir gute 7 Stunden benötigt.

Im Garten des Hotels MCO saß ein Weißer, der gerade sein Abendessen zu sich nahm. Nach dem Einchecken setzten wir uns zu dem Weißen. Nach kurzer Zeit wußten wir, dass der Weiße Alfred aus Oberndorf am Neckar ist. Der 68-jährige Alfred ist mit seinem Motorrad auf einer ca. 8-wöchigen Afrikatour unterwegs. Vor ein paar Tagen stürtzte Alfred mit seiner Maschine und zog sich Verletzungen am Schlüsselbein zu; er trug seinen Arm in einer selbstangefertigten Schlinge. Das Motto des Abends lautete somit "Schwarzwald meets Schurwald".Zwischenzeitlich hatten wir unser Essen bestellt; alle wählten das gleiche Essen. Ausser Alfred und uns vieren war niemand im Restaurant. Es dauerte nur knapp 1 1/4 Stunden bis die junge, gut gekleidete Restaurant-Chefin und Köchin uns das Essen jeweils auf zwei Tellern servierte. Auf einem Teller war eine riesige Portion Reis mit gekochtem Kraut und auf dem anderen Teller eine Art Gulasch; es waren auch Knochen dabei. Wir waren von dem Essen begeistert; speziell von der Sauce.

Montag, 18. Februar Gegen 7:30 frühstückten wir und checkten danach aus.
Nach einer kurzen Verabschiedung von Alfred, der sich auf den Weg nach Kenia machte, fuhren wir mit Erik's benzinhungrigem Fahrzeug zuerst zur Tanke und machten ihm den Bauch voll.
Gegen 8:30 Uhr gab Erik seinem Nissan die Sporen.Kurz vor 11:00 Uhr besuchten wir vor Moshi eine ganz neue Secondary Schule, mit welcher Siggi zuvor einen Termin vereinbart hatte.
Die Schule wird von einem deutschen (Lehrer-)Ehepaar geleitet. An der Schule gibt bislang nur eine Form 1. Die Besonderheiten der Schule sind: es sind nur 21 Kinder in der Klasse, es gibt keine Prügelstrafe, das Lehrerkollegium setzt sich aus deutschen und tansanischen Lehrern zusammen. Die Kinder sollen lernen durch Motivation und durch Erleben praktischer Beispiele; soweit möglich". Es werden westlich Lehr- und Lehrmethoden eingesetzt.
Gegen 13:00 Uhr setzen wir die Reise Richtung Moshi fort, wo wir eine Stunde später auch ankamen.In Moshi gönnten wir uns eine halbe Stunde Pause, um unserem Körper Flüssigkeit und feste Nahrung zu geben. Die Fahrt von Moshi nach Arusha war temperaturtechnisch bislang unser Highlight, denn wir hatten Aussentemperturen bis zu 43° C; innen konnten wir rotz Klimaanlage lockere 35° C messen. In der Sauna kann es kaum schöner sein.
In Arusha angekommen, trafen wir uns mit Alex (CASFETA-Zone-Leader), der von Erik per Handy informiert wurde, dass wir kommen. Alex war unser Guide zum Hotel. Von der Hauptstraße abgebogen ging es eine staubige "Straße" hinauf, die nur aus Steinen und Schlaglöchern bestand. Irmi, Siggi und ich waren uns nicht sicher, ob wir richtig unterwegs sind oder ob es hier möglicherweise zu einem Steinbruch geht. Auf einmal ging die Sonne auf und Erik fuhr auf den Parkplatz des Hotels "Ilboru Safari Lodge" www.ilborusafarilodge.com. Wir erkundigten uns bei der Lady am Empfang, ob noch Zimmer frei sind und was sie kosten. Das Hotel machte insgesamt in sehr guten Eindruck. Die Preise schienen uns etwas im oberen Segment. Bei Nachfrage bei der Lady, was am Preis zu machen sei, da wir evtl. 3 Tagen da sind meinte sie, dass sie den Manager fragen muss. Kurze Zeit später kam ein leger gekleideter weißer Mitvierziger um die Ecke; es war der Hotelmanager und Inhaber. Nach kurzer Zeit wußten wir, dass er früher in einem Hotel in Bad Ditzenbach arbeitete, Holländer ist, mit einer Tansanierin verheiratet ist und das Hotel seit einigen Jahren erfolgreich führt. Er gab uns ohne große Verhandelungen einen "very, very special Price"; er halbierte quaisi den Listenpreis. So gewinnt man Freude und Freunde.

Am Abend speisten wir im Restaurant des Hotels und waren sehr von der Qualität der Speisen, der Sauberkeit des Restaurants sowie Personals total angetan. So etwas hatten wir bislang In Tansania nicht erlebt.

Dienstag, 19. Februar
Die Nacht war "richtig kalt", denn die Temperatur betrug am Morgen 22° C. Nach unserem sehr reichhaltigen Frühstück fuhren wir nach Arusha. Dort trafen wir Alex, der uns zum Culture Heritage leitete.Dort kann man vielerlei Arten von Schnitzereien, Hals- und Ohrschmuck, ... einkaufen. Irmi, Siggi und ich begaben uns auf die große Einkaufstour.
Wenn man bezüglich des Einkaufs alleine von seinen Augen geleitet worden wäre, dann wären unsere Koffer übervoll und die Geldbeutel unendlich leer. Wir haben uns für einen guten Mittelweg entschieden. Nach dem Einkauf nahmen wir den ersten Daladala, der in unmittelbarer Nähe von Cultural Heritage abfuhr. Am Busbahnhof stiegen wir aus und gingen den restlichen Weg zu Fuß zum Hotel, was bei den Temperaturen doch etwas anstrengend war. Auf dem Heimweg hatten wir noch interessante Gespräche mit einem Schreiner, Metzger und Mais-Müller. Alle stimmten zu, dass wir Fotos machen durften. Alex und Erik waren tagsüber geschäftlich in Arusha zusammen.
Gegen Abend holte uns Erik ab; wir nahmen an einem "Senior" - Casfeta-Treffen teil, welches knapp 2 Stunden dauerte und von Alex organisiert wurde. Die Teilnehmer waren sehr aufgeschlossen und äußerten zu bestimmten Themen ihr Meinung sehr deutlich, was uns gefreut hat.
Erik erzählte uns zwischendurch, dass der Motor nicht mehr so richtig wollte und er alle 6 Zündkerzen austauschen ließ. Natürlich erging zuvor eine Motorwäsche über den Motor. Eine interessante und bewegte Zeit mit einem wunderbaren TAYOMI-Team 02/2013 geht so langsam zu Ende.

Herzlichen Dank dafür an Irmi, Siggi, Ernst-Georg, Uwe und Tumaini, Erik sowie Alex!
Euer Hermann

Anhang: Heute, Mittwoch, 20. 2. waren wir im Arusha - Nationalpark, direkt am Fuße des Mount Meru. Es ist ein landschaftlich wunderschöner, abwechslungsreicher Park. Wir beobachteten Flamingos, Affen und direkt am Wegrand, ganz dicht am Auto zwei riesige Büffel. Wir bekamen richtig Angst, weil gerade in diesem Moment der Motor ausging. Ericks Auto macht uns große Sorge, immer wieder geht der Motor aus. Wir hoffen, dass wir gut wieder nach Melela zurückkommen, bitte betet dafür. Morgen treffen wir uns mit dem potenziellen neuen Schulleiter, anschließend noch ein kleines Besüchle bei Alex und seiner Familie. Dann geht es weiter zu einer Besichtigung des Berufsschulzentrums der Eberhard Leitz Stiftung in Moshi. Irgendwo werden wir übernachten und am Freitag zurück nach Melela fahren, um noch einmal nach dem Rechten zu schauen. Am Sonntag heißt es dann auch für uns Abschied zu nehmen von dem wunderschönen, herausfordernden Land Tansania.
Mit Gottes Hilfe und einem klasse Team durften wir viel bewerkstelligen.
Mungu akubariki
Amy

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Reisebericht vom 29.08.15

Hallo Ihr Lieben!

Endlich haben wir den Computer ausgepackt und deshalb kommt jetzt auch mal ein Beitrag von uns vier Eiseles: Alex, 44, Lehrer und Allroundtalent; Jutta, 45, Heilpraktikerin; Sarah, noch 15 und ab September 11. Klasse; Joshua, 13 und fast 8. Klasse.

Letzten Sonntag sind wir von Melela (Schulstandort) mit dem "Daladala" (Minibus) nach Morogoro (nächste Stadt) nahe dem Ulugulu (Berg) gefahren. Ihr seht also, Kiswahili ist ganz einfach.

Obwohl wir zunächst etwas traurig waren, dass unsere Gruppe nur aus unserer Familie besteht, sind wir nun doch ganz dankbar, denn unsere Kids haben super Kontakt gefunden zu den Jungs und Mädels hier, was wahrscheinlich etwas anders gewesen wäre, wenn noch andere junge Deutsche hier wären.

Zum Teil gehen sie in den Unterricht und ansonsten sizen sie viel beieinander, einfach zum Reden, bei Workshops, beim Essen...

Leider sprechen viele der 8.- und 9.- Klässler noch nicht gut Englisch, da sie bis zur 7. Klasse ausschließlich in Kiswahili unterrichtet werden. Da ab der 8. Klasse dann aber der ganze Unterricht auf einmal fast komplett auf Englisch unterrichtet wird, haben viele massive Probleme.

Vor 3 Tagen hatte der Generator einen "Schwächeanfall" und dann hat auch noch die Wasserpumpe den Geist aufgegeben. Mittlerweile funktioniert alles wieder - mal sehen wie lange. Alex macht das Reparieren und die Zusammenarbeit mit Japhet (Hausmeister) große Freude. Wir haben auch schon bei einigen Lehrern den Unterricht besucht, und viele sind sehr willig, Neues zu hören. Die Schulsysteme sind sehr unterschiedlich, auch die Art der Bestrafung. Aufgewühlt hat uns, dass es im Schulsystem Tanzanias wohl üblich ist, Kinder mit schlechten Klassenarbeitsergebnissen mit dem Stock nach draußen zu treiben und sie dort dann noch einige Zeit knien zu lassen. Wir haben das Gespräch zu jenem Lehrer gesucht und (auf Anraten Eriks) gefragt, was er denn tue, damit die Kinder dann wissen, was denn richtig gewesen wäre. Dabei haben wir einfließen lassen, dass der Lehrer in Deutschland z.B. nach Ausgabe der Klassenarbeiten eine Besprechung macht und dabei erklärt, welches die richtige Antwort gewesen wäre und warum. Wer weiß, vielleicht nimmt er es sich ja zu Herzen.

Was uns sehr freut und zum Teil auch beschämt ist zum Einen die Genügsamkeit und zum Anderen das geistliche Leben hier.

Freitags fasten viele Kinder 24 Stunden und treffen sich während der Essenszeit zum Beten. Aber damit noch nicht genug: Abends wird dann weitergebetet und gesungen bis in den frühen Morgen (Alex hat sie noch um halb vier in der Frühe gehört).

Gestern waren es ca. 180 (von insgesamt ca. 280) und das, obwohl Freitag einer der Tage ist, wo es ein kleines Stückchen Fleisch (seeeehr beliebt!) gibt.

Es gibt immer was zu tun, mal machen wir Besuche (Saningo Familie, Krankenschwester...), dann sind wieder "Workshops" (z.B. Flöte lernen, Reparieren, PC,  Holzarbeit, Erste Hilfe...) oder Ausflüge (Massaimarkt, Stadt, heute Safari!) an der Reihe.

Der Bau (Küche und Mensa) geht langsam aber stetig voran, dank den fleißigen Bauarbeitern und Harald, dem Schweizer Architekten. Mit ihm werden wir uns morgen etwas länger treffen.

So viel für heute, alles Liebe Eure Eiseles

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